Wahrnehmungstherapie nach Affolter®
(Das St. Galler Modell)

 
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Was ist Wahrnehmung?
 
Wahr-nehmung
heißt
etwas Wahres nehmen:
 
Ich nehme die Tasse in meine Hände.
Etwas, das meinen Bewegungen Widerstand entgegensetzt.
 
Die Kinder brauchen Wirklichkeit, realistische Alltagssituationen, die taktil-kinästhetisch erfahrbar sind. Kinder wollen mit den wahren Dingen ihrer Umwelt handeln und Probleme lösen.
 
Wird die Milch ausfließen, wenn ich die Tasse umdrehe?
 
Problemlösende Alltagsgeschehnisse bilden die Wurzeln der Entwicklung, des Erkennens, des Verstehens und Lernens.
Wahrnehmung in diesem Sinne ist etwas sehr Komplexes.
 
Die Fähigkeit, zu lernen und sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anzupassen, setzt intakte Wahrnehmungsprozesse voraus.
 
Die Wahrnehmung umfasst alle Mechanismen, die an der Verarbeitung der Reize einer gegebenen Situation beteiligt sind, einschließlich der verschiedenen Speichersysteme und der Wiedererkennungsleistungen.
 
Im täglichen Leben müssen wir von morgens bis abends ständig Probleme lösen und Entscheidungen treffen, um uns an Veränderungen, Ereignisse und die Menschen in unserer Umwelt anzupassen.
 
Foto Affolter-Therapie 2
 
Der Behandlungsansatz nach Affolter®
Dr. Félicie Affolter, Gründerin des St. Galler Zentrums für Wahrnehmungsstörungen, stellt die taktil-kinästhetische Wahrnehmung – das Spüren – in den Mittelpunkt, da Informationen aus dieser Art der Wahrnehmung unerlässlich sind, um komplexere Leistungen zu ermöglichen.
 
Schon Babys begreifen mit dem ganzen Körper, mit dem Mund, mit den Lippen, mit den Händen. Es werden zielgerichtete Handlungsfolgen ausgeführt, auf die sich Sprachverständnis und Sprache aufbauen. Das »Spüren« spielt eine bedeutende Rolle für eine gelungene Interaktion.
 
Störungen im sprachlichen Bereich, Störungen im Erwerb von Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) oder Schwierigkeiten, die eine sinnvolle Alltagsbewältigung nicht zulassen, werden als Störung der zentralen Organisation der Wahrnehmung bezeichnet. Um Kindern zu einer besseren Wahrnehmungsorganisation und adäquaten Schlussfolgerungen zu verhelfen, werden Handlungssequenzen therapeutisch »g e f ü h r t« vollzogen.
 
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Was machen Kind und Therapeutin bei der Affolter-Therapie?
Die Therapie findet in Räumen statt, die alltägliche Strukturen aufweisen, z. B. in Küche, Werkraum, Bad oder Spielzimmer. Innerhalb der Therapie werden – dem Entwicklungsstand entsprechend – vertraute und unvertraute alltägliche Geschehnisse durchgeführt. Dies kann das Zubereiten einer Mahlzeit, Körperpflege, Anziehen, Positionswechsel oder Werken sein.
 
Die Therapeutin vermittelt Spürinformationen über interaktive Hand- und Körperführung. Je nach Indikation kommen unterschiedliche Arten des Führens zum Einsatz. Das, was das Kind aufmerksam erlebt und begriffen hat, kann im Anschluss erzählt, gemalt oder aufgeschrieben werden. Die eigenständige Aufnahme von Spürinformationen wird angestrebt.
 
Foto Affolter-Therapie 4
 
Das Affolter- Modell® findet Anwendung bei
  • entwicklungsauffälligen Babys und Kleinkindern

  • Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache, der Motorik und bei kombinierten Störungen

  • Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen und Lernschwierigkeiten

  • tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (z. B. Autismus, Rett-Syndrom)

  • Kinder mit erworbenen cerebralen Schäden (z. B. Schädelhirntrauma )

  • Folgen von Deprivation

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Foto Affolter-Therapie 5

Welche Symptome werden mit der Therapie nach dem Affolter-Modell® behandelt?

  • Probleme bei der Planung, Ausführung oder Beendigung von Handlungen, Ziellosigkeit

  • unzureichende Haltungskontrolle und/oder Tonusdysregulation und Koordinationsstörung

  • unzureichende Reizselektion

  • Unruhe, Scheu, Ängstlichkeit oder Aggression erscheinen unangemessen

  • Affektlabilität und/oder geringe Frustrationstoleranz

  • Störungen des Sprachverständnisses und der aktiven Sprachleistung
 
 Wer behandelt nach dem Affolter- Modell®?
Therapeuten/innen verschiedener Fachrichtungen (z. B. Ergotherapeuten/innen), die spezielle Fortbildungskurse der APW-Arbeitsgemeinschaft für Probleme bei Wahrnehmungsstörungen/Schweiz absolviert haben.
 
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Literatur: Fèlicie Affolter: Wahrnehmung, Wirklichkeit und Sprache, Neckar- Verlag, 20019, ISBN 3788302550
 

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